Vortrag von Herrn K. Ruhl über Indien auf dem Weg zur Weltmacht

Herr Klaus Ruhl, der geschäftlich vielseitige Beziehungen zu Indien hat, zeigte in seinem Vortrag „Indien auf dem Weg zur Weltmacht“ die erstaunliche Entwicklung einer ehemaligen Kolonie auf.



Hätte man vor dreißig Jahren einen Vortrag unter dieses Motto gestellt, wäre man belächelt oder für verrückt erklärt worden. Nachrichten zu Indien waren in erster Linie Katastrophennachrichten: Naturgewalten, Seuchen, Hungersnöte. Dass diese Darstellung bereits damals zumindest einseitig war, steht auf einem anderen Blatt.

 

1991 begann der heutige Premierminister, Manmohan  Singh, jene durchgreifenden Wirtschaftsreformen, welche Indien (kaufkraftbereinigt) zur viertgößten Volkswirtschaft der Welt gemacht haben. Dazu passt, dass dieser Tage die Gebrüder Ambhani die reichsten Leute der Welt geworden sind mit einem geschätzten Gesamtvermögen von rd. 90 Mrd. US$. Viele Menschen, die sich Inder nur als hungernde Bettler und Entwicklungshilfeempfänger vorstellen konnten (unter PM Vajpahee hatte Indien übrigens auf jede staatliche Entwicklungshilfe verzichtet), müssen nun schnell umlernen. Aber ist das so schlimm?

China und Indien waren beide um 1700 - bevor die europäische Kolonialisierung einsetzte - die bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Mächte der damaligen Welt. Es ist spannend zu sehen, wie sie heute ihre angestammten Plätze wiederum einnehmen und damit auch ein Stück historischer Gerechtigkeit wiederherstellen. Indien und China befinden sich in einer Art Konkurrenz. Beide strotzen vor Selbstbewusstsein und prunken mit Wachstumsraten von 9% (Indien) und 11% (China). Das Reich der Mitte verfügt über einen Vorsprung von dreizehn Jahren in der Umsetzung der Dengschen Wirtschaftsreformen und führt die asiatische Konkurrenz mit beträchtlichem Vorsprung an. Indien wiederum weist größere Stärken im Bereich einer zahlenmäßig großen Mittelklasse und im Bereich höherer naturwisschenaftlich-technischen Bildung aus. Das Land ist eine Demokratie und damit in der Lage, mit seinen nicht wenigen Widersprüchen ordentlich umzugehen. Bedingt durch die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung ist Indien bei stärkerem Bevölkerungswachstum ein sehr junges Land mit einem riesigen Bildungspotential. Langfristig (ca. 2040) wird es China als bevölkerungs-reichstes Land überholen. Während China sehr starke Fortschritte bei Infrastrukturverbesserungen zeigt, hat Indien hier einen großen Nachholbedarf. Er soll in den nächsten zehn Jahren gedeckt werden. Beide Länder schicken sich an, auch auf der politischen Weltbühne eine ihrer Größe entsprechende Rolle zu spielen. Nicht vergessen werden sollte, dass Indien und China Atom- und Raumfahrtmächte sind und ein entsprechendes Militärpotential aufgebaut haben.

Man muss daher kein Prophet sein um vorauszusagen, dass China bereits Weltmacht ist und Indien es werden wird.

Klaus Ruhl,  H. A.